Eighties Tuning — von Motoroptimierern und Show-Tunern


Die achtziger Jahre. Nach einer langen Phase automobiler Konfektionsware von der Stange schien in diesem Jahrzehnt alles möglich. Das eigene Auto sollte sich aus der uniformen Masse abheben. "Individualität" und "Exclusivität" waren die passenden Modewörter zum Zeitgeist. Tuningfirmen schossen wie Pilze aus dem Boden. Ein paar davon trauten sich auch an das Sechser-Coupé, den teuersten Serien-BMW seiner Zeit.
Schnitzer, Hartge, MK-Motorsport und Matthes standen hauptsächlich für technische Modifikationen, die aus dem Rennsport abgeleitet wurden. Optische Retuschen wurden nur auf Kundenwunsch ausgeführt. Leistungsmässig liegen diese "klassischen" Tuner eng beisammen, da der konventionellen Motorüberarbeitung, die hauptsächlich aus Änderungen am Zylinderkopf, Kolben, Nockenwelle und Abgasstrang bestehen, Grenzen gesetzt sind.

Den stärksten 6er-BMW stellte wohl Willy König von Koenig-Specials auf die Beine. Durch Turbolader und Ladeluftkühler ließ sich der M88-24-Ventil-Sechszylinder angeblich auf 440 PS steigern (mit Dampfrad sogar bis zu 460 PS). Mit den Firmen Koenig-Specials und Gemballa wären wir allerdings schon im Bereich des "Show-Tunings" angekommen. Exzentrische Styling Exzesse gehörten hier sozusagen zum Standardprogramm. Das eine oder andere Mal musste dafür die Seitenlinie eines Ferrari Testarossa als Inspirationsquelle herhalten. Auch die maximal zulässige hintere Reifenbreite von 345mm wurde meist konsequent ausgeschöpft.

Der große Tuningboom währte jedoch nicht all zu lange. Auf der einen Seite strömten immer mehr junge Nachzügler-Firmen auf den Markt, die mit mehr oder weniger gekonnten Produkten ihren Teil vom Kuchen abhaben wollten - ein Überangebot entstand. Preiswerte Tuningartikel aus dem Katalog trugen dazu bei, daß aus den ehemals extravaganten Einzelstücken eine Bewegung für die breite Masse wurde.
Die sportlichen und nahezu perfekt werksoptimierten "M-Modelle" der BMW Motorsport GmbH machten es auf der anderen Seite den technischen Tunern immer schwerer deren eigene Modelle abzusetzen. Dazu kam die Zubehörlinie "M-Technic" sowie die BMW Individual-Abteilung als Spezialist für personalisierte Einzelanfertigungen. Der Markt bereinigte sich schließlich selbst.

Hier eine Auswahl damaliger Tuningfirmen, von denen manche bis heute existieren. Einige Kreationen möchte man diplomatisch ausgedrückt "gewagt" nennen, aber so waren sie halt, die achtziger Jahre.

Zeitmaschine an und los geht's!



Hartge

Im Jahre 1971 von den rennsporterfahrenen Brüdern Herbert und Rolf Hartge gegründet. Vom Kraftfahrtbundesamt anerkannter Automobilhersteller seit 1985.

Angebotene Modelle auf BMW E24-Basis waren: Hartge H6S (240 PS/335 Nm), H6SP (254 PS/340 Nm) sowie H6-24 auf M635 CSi Basis (330 PS/355 Nm).
Modifikationen wurden hauptsächlich an Zylinderkopf, Nockenwelle, Ventilen, Krümmer, Auspuffanlage und Fahrwerk vorgenommen. Der H6SP besaß zusätzlich Spezialkolben und ein modifiziertes Motorsteuergerät.

Hartge H6S/H6SP seit 1983 erhältlich: die klassische Hartge-OZ-Felge

Anfangs wurden BBS-Alufelgen in 15 und 16 Zoll angeboten bis im Jahr 1983 die Hartge-Felgen im typischen 11-speichigen Design erschienen. Diese wurden von der italienischen Firma OZ gefertigt.
Im Innenraum wurden ein Hartge-Sportlenkrad, sowie ein bis 280 km/h reichender Tachometer verbaut. Die Karosserie wurde, abgesehen von den Hartge-Dekor-Streifen in silber oder anthrazit, nicht verändert.

Bis zum Jahre 1987 erfolgte der Vertrieb über den großen BMW-Händler Kohl-Automobile, der danach mit der Firma Schnitzer kooperierte. Herbert Hartge führte die Firma in Beckingen weiter. Seine Brüder Rolf und Andreas gründeten 1989 die Firma Carlsson Autotechnik, einen Tuner für Mercedes-Benz Fahrzeuge.

  Die komplette Hartge Range: H5/H5s, H23/H26, H7s, H6s, H3
französischer Prospekt  
Preisliste 9/83 Hartge-BBS
Hartge-OZ Ein auf 313 PS gesteigerter "Hartge M6"- nur für Export(?)
Prospekt 1987  


Schnitzer / AC Schnitzer

Als Fahrer eines 6er-BMWs erinnert man sich natürlich besonders an die auffällig lackierten "Original-BMW-Teile" Rennversionen des 635 CSi. Mit diesen im BMW-Werksauftrag eingesetzten Gruppe-A-Fahrzeugen gewann das Team Schnitzer-Motorsport in den Jahren 1983 und 1986 die Tourenwagen Europameisterschaft.

Für den "Straßen"-Sechser bot man einen klassisch getunten, auf 245 PS bei 6000 U/min und 322 Nm bei 4500 U/min gesteigerten Motor an. Die Beschleunigung von 0-100 km/h erreichte das Schnitzer S6 genannte Modell in 6,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit betrug 244 km/h.
Die Änderungen: bearbeiteter Zylinderkopf mit halbkugelförmigen Brennräumen, geschmiedete Spezialkolben, andere Nockenwelle mit größeren Überschneidungen der Steuerzeiten (300 statt 264 Grad), Fächerkrümmer.

In den Jahren 1982/83 wurden insgesamt 17 Exemplare zu einem Schnitzer S6 Komplettfahrzeug umgebaut. Über einhundert weitere Umbaukits wurden an BMW-Händler verkauft, die dann Kundenfahrzeuge zu einem S6 umrüsteten. Spoiler wurden nicht oder nur von anderen Herstellern montiert.


   
Herbert Schnitzer, Gruppe A Rennversion Schnitzer S6 AC Schnitzer S6 (1987)

Im Jahr 1987 ging Herbert Schnitzer von der Firma Schnitzer-Motorsport mit dem Aachener BMW-Händler Kohl-Automobile eine Kooperation ein. Diese Firma trägt den Namen "AC Schnitzer" (AC steht für den Firmenstandort Aachen) und kümmert sich um den Vertrieb von Tuning-Komponenten. Zuvor kooperierte Kohl-Automoblie mit der Firma Hartge.

Das Schnitzer-Motorsport Stammhaus sitzt weiterhin im bayerischen Freilassing und blickt auf mittlerweile 50 Jahre Rennsporterfahrung zurück.


AC Schnitzer S6 (Spoilerkit gefertigt von EBS-Breyton)
14" bis 17" AC Schnitzer Felgen (gefertigt von OZ). Wurden auch als dreiteilige Version angeboten.


MK-Motorsport

Seit 1978 existiert MK-Motorsport, ein Tuningbetrieb der von dem Rennfahrer Michael Krankenberg gegründet wurde. Krankenberg liess seine Erfahrung aus dem Rennsport direkt in das Tuning einfliessen und war für seine perfekt abgestimmten Fahrwerke bekannt. Karosseriestyling stand bei MK eher im Hintergrund. Stattdessen wurde lieber unter der Motorhaube veredelt, indem verchromte bzw. polierte Teile wie Krümmer, Ansaugbrücken und Fächerkrümmer verbaut wurden.

Die Modifikationen beim M30 Motor des BMW 635 CSi im Detail: gefräste und polierte Kanäle des Zylinderkopfes, Ansaugkrümmer angepasst, Fächerkrümmer montiert, Einspritzanlage und Zündung abgestimmt, Mahle-Kolben, 292-Grad-Nockenwelle, Ölhobel. Dazu ein MK-Fahrwerk, andere Gummilager an der Hinterachse, einstellbarer Stabilisator hinten, MK-Negativ-Platten vorn, MK-Uniball-Stützlager, Domstrebe, MK-Felgen, MK-Lederlenkrad, 50% Differentialsperre, Recaro Sportsitze.

Die technischen Daten nach der MK-Kur: 250 PS bei 5.900 U/min, 325Nm bei 4.400 U/min, 241 km/h Höchstgeschwindigkeit, 6,8 s Beschleunigung von 0-100 km/h. Die Angaben stammen aus einer "Sportfahrer" Zeitschrift von 1982. Wahrscheinlich wurde danach noch weiter modifiziert, denn die Daten im unten abgebildeten 1984er Prospekt weichen davon etwas ab.


MK Motorsport - 1984 Remotec-MK-Felgen mit Michelin TRX Bereifung für E30, E28, E24 und E23

Zum Ende der Saison 1986 beendete Michael Krankenberg aus gesundheitlichen Gründen in Folge eines Rennunfalls vorerst seine Karriere als Profifahrer.
Im April 2008 verunglückte er bei einem tragischen Unfall tödlich.


In Nerz gehüllte Ladies, MK-6er Michael Krankenberg


Matthes

Die Gebrüder Matthes aus Frankfurt-Niedereschbach sind eher für ihre BMW E30-Umbauten (327i, 335i, 335i/24) bekannt, in die zum Teil auch die großen M30- und M88-Sechszylinder verpflanzt wurden.
Ein paar Matthes-E24 existieren jedoch auch. Deren Motorleistung wurde konventionell auf 250 PS (M30) bzw. 300 PS (M88) gesteigert.

 
Matthes BMW 635 CSi spezielle Matthes-Heckschürze   Zusatzinstrumente für Öltemperatur und Öldruck

Im Cockpit konnten auf Wunsch digitale Zusatzinstrumente für Öltemperatur + Öldruck integriert und ein Matthes Schaltknauf sowie ein Momo-Lenkrad mit Matthes-Logo nachgerüstet werden. Die Felgen sind 8x16 Zoll Remotec mit 225/50 vorn und 9x16 Zoll mit 245/45 hinten. Eine Matthes-Eigenentwicklung ist die Heckschürze, Front- und Heckspoiler stammen aus der BMW-Serie, die Seitenschweller sind von Zender.

   


Gemballa

Umbauten von Gemballa aus Leonberg bei Stuttgart gehörten damals zum exclusivsten, was die Veredlerzunft in Deutschland vorweisen konnte. Uwe Gemballa begann seine Laufbahn gegen Ende der siebziger Jahre als Spezialist für Autointerieur. Anfangs wurden VW-Modelle mit Ledersitzen und HiFi-Anlagen individualisiert. Die schwäbische Firma wuchs. In den achtzigern Jahren fokussierte sich das mittlerweile 30 Mann starke Team hauptsächlich auf Fahrzeuge der Marken Mercedes und Porsche, die mit Unterhaltungselektronik, Autotelefonen, digitalen Anzeigedisplays und Rückspiegelkameras garniert wurden. Und das handwerklich auf allerhöchstem Level. Auch karosserietechnisch wurde ordentlich modifiziert. Im Jahr 1985 wurde "Gemballa Automobil Interieur" vom Kraftfahrtbundesamt als eigener Fahrzeughersteller anerkannt. Gemballas bekannteste Modelle sind wahrscheinlich die auf einem Porsche 930 Turbo basierenden Typen "Avalanche", "Cyrrus" und "Mirage".

 
Erzeugnisse aus dem Hause Gemballa: Avalanche, SEC Widebody, SEC Gullwing, 911 und 930 Flatnose Variationen
Gemballa M635 CSi Widebody Vier Rohre für ein Halleluja

Spektakuläre Gemballa-Karosserie-Umbauten gab es allerdings auch für 6er BMWs. Ein Kunde aus den Vereinigten Arabischen Emiraten bestellte einen M635 CSi, der nach seinen Ansprüchen bei Gemballa maßgeschneidert wurde. Der Umbaupreis dieses Fahrzeugs betrug damals ca. 180.000,- DM. Nimmt man noch den Preis des Basisfahrzeuges mit dazu kommt man auf satte 275.000,- DM. Dafür gab es unter anderem eine aufwändig veredelte Innenausstattung mit 4 elektrisch verstellbaren Recaro-Einzelsitzen, die mit Leder und auf den Sitzbahnen mit Velours bezogen wurden, Unterhaltungselektronik in Form einer HiFi-Anlage mit Verstärker, Equalizer nebst Fernseher im Armaturenbrett sowie modifizierte Instrumente mit Digitalanzeigen.
Der Karosserie-Umbau, der das Fahrzeug auf eine Breite von knapp 2 Meter anschwellen ließ, wurde nach klassischer Karrosseriebauer-Art aus Stahlblech handgefertigt. Als stilistische Grundlage diente dafür die Widebody-Version des Gemballa-Mercedes-SEC (C126). Die übrigen Anbauteile bestehen, wie bei der Konkurrenz auch, aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Den Abschluss bilden 15 Zoll Ronal-Turbo-Felgen in Wagenfarbe (9 Zoll mit 225/50 vorne und 13 Zoll mit 345/35 hinten), eine maßgefertigte Auspuffanlage mit 4 mittigen Endrohren, eine Fronthauben-Lufthutze und ein massiver Heckflügel.

   
   
   
 
Schwarzes Schwestermodell mit burgundfarbener Lederausstattung   Reportage des Südwest-Funks aus dem Jahr 1986
Dank an M. Neweschall


Zeitsprung

Knapp zwanzig Jahre später im Jahr 2003: US-Soldaten entdecken im Irak zufällig die Gemballa-M635 CSi-Einzelanfertigung. Offenbar gehörte sie zwischenzeitlich dem ältesten Sohn von Saddam Hussein, Udai Hussein, einem exzentrischen Waffen- und Autoliebhaber. Er und sein Bruder Kusai wurden am 22. Juli 2003, nach einem mehrere Stunden dauernden Feuergefecht von amerikanischen Truppen in Mosul getötet. Zuvor hatten sie sich in einem Haus verschanzt.

Ein tragisches Schicksal ereilte auch Uwe Gemballa, der im Jahre 2010 auf einer Geschäftsreise nach Südafrika entführt wurde. Seine Leiche wurde Monate später erschossen und eingewickelt in Zellophan-Folie in der Nähe von Pretoria gefunden. Die Hintergründe des Mordes, bei denen es sich angeblich um dubiose Schwarzgeldgeschäfte gehandelt haben soll, wurden nie vollständig aufgeklärt.

Zweiter Golfkrieg im Irak (2003)

Schaltknauf abgebrochen, Technik rausgerissen.




Koenig-Specials

Kaum eine andere Firma bot damals extremere Tuning-Kreationen. Sowohl von der Leistung, als auch optisch.
Ich war damals 16 Jahre alt, pubertierend und schwer beeindruckt von den Koenig-Boliden, die wie von einem anderen Stern zu kommen schienen. Auf einer Urlaubsfahrt von Hamburg nach Österreich nötigte ich meinen Vater solange, bis mein Traum war wurde: einen Abstecher zu Koenig-Specials nach München. Die Firma lag in einem relativ unspektakulären Münchner Bezirk. Ich hatte mir alles vielleicht noch einen Hauch glamouröser vorgestellt, aber im Innenhof des Unternehmens standen gleich zwei der legendären Ferrari-Testarossa-Umbauten, die ich bereits aus diversen Automagazinen kannte. Mit 710 PS! Spitze 339 km/h! Das war das absolute Maximum. Und zwar weltweit.
Einen Koenig-Sechser konnte ich damals nicht entdecken. Und dabei sieht er gar nicht so unauffällig aus.

 
private Bilder von 1987   Koenig Specials Testarossa 2,15 m breit 710 PS, 845 Nm, 0-100: 3,8 s Koenig Specials 328 Biturbo, 450 PS

Koenig-Specials M635 CSi - 440 PS durch Turbolader und Ladeluftkühler Bereifung vorne 285/40 VR 15, hinten 345/35 VR 15

Das martialische Styling der Breitversion stammt von Vittorio Strosek, einem ehemaligen Schüler des Designers Luigi Colani. Strosek, dessen Konstruktionsbüro sich am Ammersee befindet, zeichnet sich für das Design nahezu aller Koenig Special Kreationen verantwortlich.
Der österreichische Motorenspezialist Franz Albert aus Wörgl in Tirol kümmerte sich um Leistungssteigerung des M635-CSi-Vierventilmotors. Durch einen Turbolader mit wassergekühltem Bypassventil, Ladeluftkühler, Spezialkolben, speziellen Nockenwellen und einer Hochleistungsauspuffanlage konnte die Leistung auf 440 PS gesteigert werden (mit Dampfrad auf bis zu 460 PS).
Der alleinige Umbau des Motors schlug mit 39.800 DM zu Buche, die Auspuffanlage gab es für vergleichsweise günstige 2.700 DM. Weitere 42.480 DM kostete der Karosserieumbau auf die "Version 1" genannte Breitversion, sowie BBS RS Felgen in breitesten zulassungsfähigsten Format. Das hiess in Zahlen: 10,5x16 Zoll (vorne) und 13x15 Zoll (hinten) mit Pirelli P7 Bereifung in 285/40 und 345/35. Des weiteren wurden noch Sportfedern und -dämpfer, ein 330 km/h-Tacho, die Ladedruckanzeige für den Turbolader und ein Sportlenkrad verbaut.

Alles in allem und inklusive des Basisfahrzeugs M635 CSi bewegen wir uns jetzt preislich in einer Größenordnung von DM 200.000 und darüber. Etwa 8 Exemplare davon sollen tatsächlich gebaut worden sein.

Höchstgeschwindigkeit laut Koenig-Specials 290 km/h Das untere Bild zeigt die dezentere Version 2. Im Prospekt beschrieben als
"Die elegante Alternative mit formschönen Seitenschwellern und Doppelflügel"
 
Auszug aus Koenig-Specials Preisliste (1987)
 
   
Koenig-Specials Messestand E32 Widebody bei Koenig in München
Fotos: M. Neweschall



ABC-Exclusive

Auf der Frankfurter IAA des Jahres 1983 zeigte die ABC-Exclusive-Tuning-Company ihre ersten Exponate. ABC kam im Vergleich zu den anderen Unternehmen also erst relativ spät hinzu. Wie die meisten anderen Tuner wurde das Hauptaugenmerk auf die lukrative Veredelung von Fahrzeugen mit dem Stern gelegt. Doch auch für die 6er und 7er BMWs wurde einiges geboten: angefangen bei einem normalen Bodykit bis zu einer Sechser-Breitversion, deren Karosserieteile aus Kevlar-verstärktem Kunststoff hergestellt wurden.
Bei den Felgen konnte man zwischen den Herstellern Gotti, Remotec und BBS wählen. Der Kenner ahnt es schon: hinten beträgt die Reifenbreite wieder 345 Millimeter während vorne 285er aufgezogen wurden. Wer es noch exzentrischer mochte, orderte Speichenfelgen. Die gab es auf 7x16 und 8x16 Zoll Felgen mit 205er bzw. 245er Reifen.
Auch im Innenraum wurde nicht geknausert. Dort ging es zu wie im Luxushotel: Stereoanlage, Fernseher, Video, Telefon, flauschiger Teppich, Minibar - alles war machbar. Die Sitze konnten mit Leder/Velours/Stoff nach Wahl bezogen werden. Dazu noch ein Indianapolis-Silberpfeil-Sportlenkrad, farblich angepasste Zifferblätter der Anzeige-Instrumente, Falken-Schaltknauf und diverse Goldapplikationen. Das war die Interpretation der Bonner Firma ABC-Exclusive zum Thema Luxus. Wie viele andere Konkurrenten geriet das Unternehmen in finanzielle Schieflage und gab 1993 den Geschäftsbetrieb auf.

ABC-Exclusive, Bonn - normaler Bodykit, normaler Heckflügel  
     
Auspuffanlagen   ABC-Exclusive BMW 745i   ABC-Exclusive Mercedes 560 SEC Cabriolet
Der Kunde ist König  
   
Widebody Weiß bis auf Reifen, Blinker und Scheiben Falkenschaltknauf und Fernseher müssen dabei sein
   
Widebody, nochmal getoppt durch zusätzlichen Heckflügel. Das gibt ordentlich Downforce. Darauf einen Dujardin Gotti Alus, vorne 11x15 Zoll bei 285/40, hinten 13x15 auf 345/35er Pirelli P7

mehr zu ABC-Exclusive hier



Steefson-Car

Hier könnte man nahtlos mit dem Steefson-7er anknüpfen. Das Ultimo an Gigolo. Den red-dot-Design-Award hätte er mit großer Wahrscheinlichkeit aber nicht gewinnen können. Mühe gegeben hat sich der gute Monsieur Bodson mit seinem Umbau aber allemal. Seine Firma Steefson-Car aus dem belgischen Saint-Nicolas kreierte einen Stilmix aus sportlichen und luxuriösen Attributen. Anscheinend sollte alles bisher tuningtechnisch geschaffenene übertroffen werden.

Ein Auszug aus dem Prospekt: "Im Interieur bieten wir Ihnen eine Ausstattung aus echtem Python-Leder. Es ist uns gelungen, das Armaturenbrett aus einer einzigen Haut herzustellen. Das Oberteil des Armaturenbretts wurde mit einer bordeaux-roten Anti-Reflex-Farbe ausgerüstet, die mit der Außenfarbe des Typs 'Metal Flake' harmoniert. Dieser spezielle Lack wurde in einer zwanzigfachen Beschichtung aufgetragen. Zur Elektronik sei gesagt, dass wir die zuverlässigste Installation gewählt haben, so dass Ausfälle nahezu unmöglich sind. Vor dem Fernseher befindet sich ein Schlitz, der eine Magnetkarte aufnimmt. Das Einlegen dieser Karte gibt sämtliche Tastaturen der Sonderausstattung frei."

Steefson-Car BMW 732i Prototyp, vorgestellt im Jahr 1986 Für die Ledertapezierung des Innenraums wurden 13 Kuhhäute verwendet

"Die vordere Konsole ist mit Python ausgestattet. Die Umrandungen der HiFi-Anlage, der Zigarettenanzünder und der Aschenbecher sind mit einer 24-karätigen Goldauflage versehen. Der Lenkradkranz ist mit Leder versehen. In der Mitte finden Sie das Steefson-Car Emblem. Unter der vorderen Mittelarmlehne befindet sich eine kleine Bar, die drei kleine Flaschen beinhaltet. An einem dafür vorgesehenen Platz finden Sie zwei Silberbecher (Pierre Meurgey/Orfèvre à Paris). Eine mit einer Silberauflage versehene trichterförmige Öffnung nimmt Getränkereste auf.
Hinter den Vordersitzen finden Sie einen Farbfernseher mit einem Videogerät der Marke Panasonic. Eine Antenne stilisiert nach dem Typ 'Awacs' gibt den Passagieren einen einwandfreien Empfang."

 
vordere Bar, 24-karätige Goldauflage   Panasonic-TV und Video hintere Bar mit Silberbechern Pioneer-HiFi mit Infrarot-Bedienung

"Der Kofferraum in dem sich der Kompressor des Kühlschranks befindet, ist mit einem Ventilationssystem ausgestattet. Seitlich des Nummernschildes sind die Luftaustrittsöffnungen. Zwei mit Alcantara ausgeschlagene Safes schützen ihre Parfums und Wertgegenstände. In einem finden Sie einen Füllfederhalter und ein Feuerzeug der Marke 'DuPont/Orfèvre à Paris'. Ein Ioniseur vermeidet die negative Wirkung, der durch die elektronischen Geräte anwesenden positiven Ionen und sorgt für das Wohlbefinden der Passagiere."

Monsieur Bodson hatte versucht alles zu verwirklichen, was technisch und handwerklich möglich war. Trotzdem blieb der Wagen ein Einzelstück und zog keine weiteren Aufträge nach. Das mag natürlich auch am gewünschten Verkaufspreis von 350.000 DM gelegen haben.

 
Panasonic Telefon am Dachhimmel   "Awacs-Style" Antenne Zwei "Safes"  



Zender

Die 1973 gegründete Firma von Hans-Albert Zender war einer der ersten Hersteller für Tuning-Kits quer durch alle Fahrzeugklassen.
Für die 6er-Baureihe gab es zwei verschiedene Varianten: Die erste umfasste relativ dezent aussehende Frontspoiler (für Modelle bis 4/82) und Heckspoiler, sowie Seitenleisten. Darüber freuten sich damals wahrscheinlich einige Besitzer der frühen Modelle ohne Spoiler (630 und 633), die nun auf eine Optik ähnlich des 635 CSi updaten konnten.
Der zweite Umbaukit
(erscheinen 1989) wirkte etwas geglätteter und bestand aus einer Spoilerstoßstange vorne, Seitenleisten, Radlaufverbreiterungen, Heckstoßstange und einem ziemlich üppigen Heckflügel. Zusätzlich wurden noch achtspeichige Zender-Felgen in 16 bzw. 17 Zoll angeboten.

Im Jahr 2008 stellte Zender den Vertrieb von Tuningteilen ein und entwickelt Anbauteile nun direkt für Fahrzeughersteller wie Ford (ST-Modelle), Fiat und Alfa Romeo (GTA-Modelle).


Zender - damals einer der Marktführer Zender-Felge und Vision-3-Concept-Car (1988)
Version 1 (Frontspoiler passend für Modelle bis 4/82) Version 2 (bis 6/87)
  CS/1 Zender Komplettumbau


EBS-Design (Breyton)

Mit der belgischen Firma EBS, die 6er BMWs zu Cabrios umbaute, hat diese Firma nichts zu tun. EBS-Design steht für die deutsche Firma Edmund-Breyton-Stockach. Diese brachte 1985 ihre erste "Designlinie für Aerodynamikteile" heraus. Später wurde EBS in "breyton design" umbenannt und stellt heute noch Felgen für aktuelle BMW-Modelle her.

   
EBS-Spoilerkit   EBS im D&W-Katalog (1987)


Schuster

Neben Koenig-Specials gab es noch eine zweite Münchner Firma, die Breitbauten auf 6er Basis realisierte. Bert Schuster hieß der Mann, der es möglich machte. Keine halben Sachen auch hier: nach dem Aufpumpen der Karosserie mussten es natürlich auch dicke 285/40 bzw. 345/35 Walzen sein. Ein Motorumbau mit "Spezialzylinderkopf" auf Basis des M30 Motors versprach 250 PS, sowie 330 PS beim 24-Ventiler des M635CSi. Außer der abgebildeten Superbreitversion gab es noch zwei weitere Stylingvarianten. Für das Design zeichnete sich Vittorio Strosek verantwortlich, der auch für Koenig Specials arbeitete. Der Vertrieb und die Montage der Karosseriekits erfolgte unter anderem durch die Firma "Floßmann Auto Design".

Angeblich fuhr Sylvester Stallone einen Schuster-Umbau. Wird zumindest gemunkelt.
   
     


KHL-Langenberg

Ein eher universeller Anbieter für Breitbauten ist die Firma von Karl-Heinz Langenberg aus Rülzheim in der Pfalz. Für die unterschiedlichsten Marken, Modelle und Baujahre wurden Spoiler und Bodykits angeboten. Die Bandbreite reichte vom Opel Kadett über BMW 02 sogar bis zum BMW M1. Wahrscheinlich fertigte KHL auch Anbauteile im Auftrag anderer Tuner. So sind in einem KHL-Prospekt Bodykits von Koenig Specials und Strosek zu sehen (Lamborghini Countach/Jaguar XJS bzw. Porsche 928). Die Firma gibt es heute noch.

   
  Dachspoiler á la CSL  


und dann waren da noch...

Design+Technik
Leinwather & Blazek
 
Mit E32 Front und Heck von Chris Hahn (ex Styling-Garage "SGS" aus Hamburg) Tuningfirma aus Recklinghausen - 6er mit Testarossa-Style-Beplankung

RB Motorsport
Kago Motorsport
 
Auch als Lieferant für Koenig-Specials bekannt (ACA) - mit E32 Heckpartie Aus dem bayerischen Ruhstorf - ebenfalls mit E32 Rückleuchten

Car Design Schacht (CDS) 
 
 
Von der Münchner Firma CDS kamen auch diese Kreation: E34 mit E31 Nase und E32 mit modifizierter Front.
Fotos: M. Neweschall

Mammut
 
 
Mammut Bodykit aus der Schweiz - im Gegensatz zur Konkurrenz recht schmal






MGA - The Observer Coupé

Durch eine Kollaboration zwischen der britischen Wochenzeitung The Observer, der Entwicklungsfirma MGA Development und BMW Großbritannien entstand dieser Prototyp. Ein Coupé mit Schiebe-Panoramadach, dessen Dachteile sich elektrisch öffnen und versenken lassen. Also in etwa so, wie es bei dem später erschienenen Porsche Targa des Typs 993 der Fall war. Der MGA-Umbau wurde nach Anlieferung des Basismodells BMW 635 CSi durch BMW Großbritannien innerhalb von 17 Wochen durchgezogen.

   
 
           
In dem Film ist gut zu sehen, wie Prototypen- und Formenbauer damals gearbeitet haben. Die Spoiler wurden zum Beispiel nach eigenem Design in Modelliermasse/Clay geshaped. Danach wurde eine Negativform genommen, die dann zum laminieren des Spoilers diente. Die Schweller hingegen, die wie ein Großserien-Anbauteil wirken, wurden klassisch aus Metallblech gedengelt.

   


BBS

Zum Schluss noch ein Hersteller, der für seine Felgen weltberühmt ist, aber in den 80er Jahren auch Spoilerkits im Programm hatte:

Die Firma BBS wurde 1970 von Heinrich Baumgartner und Klaus Brand im Schwarzwaldstädtchen Schiltach gegründet. 1972 wurden die ersten dreiteiligen BBS-Rennsportfelgen produziert. Die Idee dazu kam vom damaligen Ford Rennsport Ingenieur Martin Braungart, der später technischer Leiter der BMW Motorsport GmbH wurde.

Wenn eine "Zubehör"-Felge perfekt zu BMW passt, dann eine dieser Marke. BBS und BMW kooperieren schliesslich schon seit Jahrzehnten, egal ob im Rennsport oder bei der Herstellung von BMW-Serienfelgen.

   

Unten zwei Prospekte, einer aus dem Jahr 1984 in deutsch, sowie ein weiterer (wahrscheinlich aus dem Jahr 1985) von BBS of America. In den Prospekten werden auch Spoilersätze angeboten. Besitzer eines 6er BMWs gingen allerdings leer aus. Für E30, E28 und E23 stand ein umfangreiches BBS-Programm zur Verfügung, für den E24 gab es leider keine Spoiler zu kaufen.



deutscher Prospekt von 1984:
 
 
     

aufsetzbarer Turbolüfter für bessere Bremsenkühlung
      Leider keine Spoiler für den E24





Prospekt von BBS of America:
 
 
     
   
   
   











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